Kundenkonsignationslager
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KI-generiert
Ein Kundenkonsignationslager ist ein Lager beim Kunden, in dem der Lieferant Ware vorhält, die bis zur tatsächlichen Entnahme in seinem Eigentum verbleibt. Erst der Verbrauch oder die Entnahme löst die Rechnungsstellung aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Beim Kundenkonsignationslager verbleibt die Ware bis zur Entnahme im Eigentum des Lieferanten, obwohl sie physisch beim Kunden gelagert wird.
- Die Abrechnung erfolgt auf Basis der tatsächlichen Entnahmen, nicht auf Basis der Anlieferungen.
- Das Modell reduziert das gebundene Kapital beim Kunden und sichert gleichzeitig die Materialverfügbarkeit direkt am Verbrauchsort.
- Klare vertragliche Regelungen zu Schwund, Obsoleszenz, Inventur und Datenzugang sind Voraussetzung für einen reibungslosen Betrieb.
- Kundenkonsignationslager und Vendor Managed Inventory sind nicht dasselbe: Ersteres beschreibt die Eigentumssituation, Letzteres die Steuerungsverantwortung.
Was ist ein Kundenkonsignationslager?
Bei einem Kundenkonsignationslager lagert der Lieferant eigene Ware physisch beim Kunden, etwa im Produktionsbereich, im Lager oder direkt am Verbauort. Der entscheidende Unterschied zur klassischen Lieferung: Das Eigentum an der Ware geht erst im Moment der Entnahme auf den Kunden über. Bis dahin trägt der Lieferant das Bestandsrisiko, während der Kunde unmittelbaren Zugriff auf die Ware hat, ohne sie bereits bezahlt zu haben. Dieses Modell entlastet das Working Capital des Kunden und reduziert gleichzeitig Lieferzeitrisiken, weil Material stets vor Ort verfügbar ist.
Wie funktioniert das Modell in der Praxis?
Der Lieferant befüllt das Konsignationslager regelmäßig, entweder nach festgelegten Zyklen, auf Abruf oder gesteuert durch ein VMI-System (Vendor Managed Inventory). Die Entnahme wird durch verschiedene Methoden erfasst:
- Barcode- oder RFID-Scan beim Entnehmen
- Kanban-Karten oder Leerbehältersignale
- Systembuchungen im ERP oder WMS des Kunden
- Periodische Inventuren mit anschließender Abrechnung der Differenz
Die Abrechnung erfolgt auf Basis der erfassten Entnahmen, nicht auf Basis der Lieferungen. Damit beide Seiten jederzeit einen konsistenten Bestandsüberblick haben, sind klare Schnittstellen zwischen den Systemen von Kunde und Lieferant notwendig, etwa per EDI oder API-Anbindung. Fehlt diese Transparenz, entstehen Differenzen bei Inventuren und Streit über Verantwortlichkeiten bei Schwund oder Beschädigung.
Worauf kommt es bei der Einrichtung an?
Vor dem Start sollte vertraglich eindeutig geregelt sein, wer das Risiko für Schwund, Beschädigung und Veraltung (Obsoleszenz) trägt. Typische Regelungspunkte sind:
- Mindest- und Maximalbestände sowie Nachschubintervalle
- Haftung bei Fehlmengen, Überbeständen und nicht mehr verwertbaren Artikeln
- Inventurverfahren und -frequenz sowie Klärung von Differenzen
- Zugriffsrechte auf Bestandsdaten und Meldepflichten
- Preislogik: Gilt der Preis zum Zeitpunkt der Einlagerung oder der Entnahme?
Ob das Kundenkonsignationslager vom Lieferanten eigenständig gesteuert wird (VMI) oder der Kunde die Disposition übernimmt, ist eine separate Frage, die unabhängig von der Eigentumslösung entschieden werden kann. Beide Kombinationen kommen in der Praxis vor. Anbieterabhängig variiert zudem, wie stark ERP-Systeme dieses Modell nativ unterstützen, eine individuelle Prüfung ist empfehlenswert.
Verwandte Begriffe
- API
Eine API (Application Programming Interface) ist eine definierte Schnittstelle, über die zwei Softwaresysteme automatisiert und standardisiert Daten austauschen können. In der Intralogistik verbindet sie Systeme wie WMS, ERP oder TMS miteinander und mit externen Diensten.
- Bedarfsplanung
Bedarfsplanung bezeichnet den systematischen Prozess, mit dem ein Unternehmen ermittelt, welche Mengen an Materialien, Waren oder Ressourcen zu welchem Zeitpunkt benötigt werden. Sie bildet die Grundlage für Disposition, Beschaffung und Lagerplanung.
- Beschaffungslogistik
Beschaffungslogistik umfasst alle logistischen Prozesse, die den Materialfluss von Lieferanten bis zur Übergabe an Lager oder Produktion steuern. Sie verbindet Einkauf, Transport und Warenannahme zu einem durchgängigen Inbound-Prozess.
- Bestandscontrolling
Bestandscontrolling bezeichnet die systematische Überwachung, Analyse und Steuerung von Lagerbeständen mithilfe definierter Kennzahlen. Es verbindet Logistik und Einkauf, um Kapitalbindung zu senken und Lieferfähigkeit sicherzustellen.
- Bestandsführung
Bestandsführung bezeichnet die systemgestützte Verwaltung und Fortschreibung aller Lager- und Materialbestände in einem Unternehmen. Sie bildet die Grundlage für Disposition, Beschaffung und Abrechnung und stellt sicher, dass Buchbestand und physischer Bestand jederzeit übereinstimmen.
- Bestandsmanagement
Bestandsmanagement bezeichnet die systematische Planung, Steuerung und Kontrolle von Lagerbeständen entlang der gesamten Lieferkette. Ziel ist es, Lieferfähigkeit zu sichern und gleichzeitig Kapitalbindung sowie Lagerkosten auf ein wirtschaftlich sinnvolles Maß zu begrenzen.
- Bestellpunktverfahren
Das Bestellpunktverfahren ist ein Dispositionsverfahren, bei dem automatisch eine Bestellung ausgelöst wird, sobald der aktuelle Lagerbestand einen vorher festgelegten Meldebestand unterschreitet.
- DESADV
DESADV (Dispatch Advice) ist eine standardisierte EDI-Nachricht im EDIFACT-Format, die eine bevorstehende Lieferung elektronisch ankündigt. Sie übermittelt strukturierte Informationen zu Packstücken, Artikeln, Mengen und Identifikatoren wie dem SSCC an den Warenempfänger.
- Direktbelieferung
Direktbelieferung bezeichnet die Lieferung von Waren direkt vom Lieferanten an den Endkunden oder die Produktionsstätte, ohne dass ein eigenes Zwischenlager durchlaufen wird.
- Disposition
Disposition bezeichnet die operative Planung und Steuerung von Ressourcen, Mengen und Aufträgen in der Logistik, etwa in der Transport- oder Materialdisposition. Sie umfasst Zuweisung von Kapazitäten, Terminierung, Priorisierung und Reaktion auf Störungen.

