Umlagerung
Auch: Umlagerungen, Bestandsumlagerung, interne Umlagerung, externe Umlagerung, Lagerumlagerung, Umlagerungsauftrag
KI-generiert
Eine Umlagerung ist eine Bestandsbewegung zwischen zwei Lagerorten oder Standorten, die im WMS oder ERP als Buchung erfasst wird. Sie dient der Bestandsoptimierung, der Sicherstellung von Pickeffizienz und dem Kapazitätsausgleich.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Umlagerung verschiebt Bestände zwischen zwei Lagerorten und löst immer eine Systembuchung im WMS oder ERP aus.
- Sie kann intern (z. B. Reserveplatz zu Pickplatz) oder extern (z. B. zwischen zwei Standorten) erfolgen.
- Systemgesteuerte Umlagerungsaufträge verbessern die Pickeffizienz, indem Kommissionierplätze automatisch nachgefüllt werden.
- Externe Umlagerungen verursachen messbare Kosten durch Transport, Handling und Verpackung, die regelmäßig bewertet werden sollten.
- Häufige ungeplante Umlagerungen können ein Indikator für Schwächen in der Bedarfsplanung oder Lagerstruktur sein.
Was ist eine Umlagerung?
Als Umlagerung bezeichnet man jede geplante oder systemgesteuerte Bewegung von Lagerbeständen zwischen zwei definierten Lagerorten. Das kann innerhalb desselben Lagers geschehen, etwa wenn Ware vom Reserveplatz in eine Kommissionierzone nachgefüllt wird, oder standortübergreifend, wenn Bestände zwischen Zentral- und Außenlagern verschoben werden. Entscheidend ist, dass jede Umlagerung eine Buchung auslöst: Das Warenwirtschaftssystem (ERP) oder das Lagerverwaltungssystem (WMS) aktualisiert die Bestandsführung an beiden beteiligten Orten, sodass Lagerort und Menge stets konsistent abgebildet sind.
Wie funktioniert eine Umlagerung in der Praxis?
In modernen Lagern wird die Umlagerung meist systemautomatisch angestoßen. Das WMS erkennt, dass ein Pickplatz einen definierten Mindestbestand unterschreitet, und erzeugt automatisch einen Umlagerungsauftrag. Ein Mitarbeiter oder ein fahrerloses Transportsystem (AGV/AMR) übernimmt dann den physischen Transport der Ware. Nach dem Einlagern an den Zielplatz wird der Auftrag im System quittiert, und die Bestände sind sofort aktuell.
Bei externen Umlagerungen, zum Beispiel zwischen zwei Distributionslagern, sind zusätzliche Schritte nötig: Verpackung, Versanddokumentation und unter Umständen die Übergabe an einen Transportdienstleister. Diese Bewegungen werden oft als interne Lieferscheine oder Umlagerungsaufträge im ERP abgebildet und können für Kostenzwecke einem internen Verrechnungskreis zugeordnet werden.
Typische Anwendungsfälle sind:
- Nachschub von Reservelagerflächen in Kommissionierzonen
- Saisonale Bestandsverlagerungen zum Kapazitätsausgleich zwischen Lagern
- Qualitätssicherungsmaßnahmen, bei denen Chargen in Sperrlager umgelagert werden
- Konsolidierung von Beständen bei Sortimentsbereinigungen oder Standortschließungen
Worauf kommt es bei der Auswahl und Steuerung an?
Ob eine Umlagerung effizient ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst muss das Auslösekriterium sinnvoll definiert sein: Ein zu früh ausgelöster Nachschub bindet Arbeitskapazität, ein zu später gefährdet die Kommissionierung. Viele WMS-Systeme erlauben hier die Konfiguration nach Füllgrad, Reichweite oder Mindestmenge. Welche Variante passt, ist anbieterabhängig und sollte im Zuge der Systemparametrierung sorgfältig abgestimmt werden.
Bei externen Umlagerungen entstehen reale Kosten durch Transport, Handling und Verpackung. Logistikleitungen und Einkauf sollten diese Kosten systematisch erfassen, um zu beurteilen, ob eine dezentrale Lagerhaltung gegenüber einem Zentrallager wirtschaftlich sinnvoll ist. Auch die Bestandssicherheit spielt eine Rolle: Häufige, ungeplante Umlagerungen können auf fehlerhafte Bedarfsplanung oder ungeeignete Lagerstruktur hinweisen.
Schließlich ist die klare Abgrenzung zum Umschlag wichtig: Während eine Umlagerung immer eine Bestandsbewegung mit Buchung ist, beschreibt Umschlag die physische Verladung oder den Wechsel des Transportmittels an einem Umschlagpunkt. Dies löst nicht zwingend eine Bestandsveränderung im System aus.
Verwandte Begriffe
- AGV
AGV (Automated Guided Vehicle) bezeichnet fahrerlose Transportfahrzeuge, die Waren in Lager und Produktion automatisch befördern. Sie folgen dabei vordefinierten oder sensorgesteuerten Fahrwegen ohne menschlichen Fahrer.
- AMR
AMR (Autonomous Mobile Robot) ist ein fahrerloser, selbstnavigierender Transportroboter, der Waren im Lager ohne fest verlegte Infrastruktur bewegt. Er orientiert sich eigenständig anhand von Sensoren und digitalen Karten und weicht Hindernissen dynamisch aus.
- Auslagerung
Auslagerung bezeichnet den physischen Vorgang, bei dem Waren oder Ladeeinheiten aus einem Lagerbereich entnommen und einem nachgelagerten Prozess, etwa der Kommissionierung oder dem Versand, zugeführt werden.
- Bestand in der Logistik
Bestand bezeichnet in der Logistik die zu einem bestimmten Zeitpunkt physisch vorhandene oder buchhalterisch erfasste Menge an Gütern, also Rohstoffe, Halbfabrikate und Fertigwaren. Er ist eine zentrale Steuerungsgröße, weil er Kapital bindet und gleichzeitig Lieferfähigkeit sichert.
- Bestandscontrolling
Bestandscontrolling bezeichnet die systematische Überwachung, Analyse und Steuerung von Lagerbeständen mithilfe definierter Kennzahlen. Es verbindet Logistik und Einkauf, um Kapitalbindung zu senken und Lieferfähigkeit sicherzustellen.
- Bestandsführung
Bestandsführung bezeichnet die systemgestützte Verwaltung und Fortschreibung aller Lager- und Materialbestände in einem Unternehmen. Sie bildet die Grundlage für Disposition, Beschaffung und Abrechnung und stellt sicher, dass Buchbestand und physischer Bestand jederzeit übereinstimmen.
- Bestandsmanagement
Bestandsmanagement bezeichnet die systematische Planung, Steuerung und Kontrolle von Lagerbeständen entlang der gesamten Lieferkette. Ziel ist es, Lieferfähigkeit zu sichern und gleichzeitig Kapitalbindung sowie Lagerkosten auf ein wirtschaftlich sinnvolles Maß zu begrenzen.
- Bestandssicherheit Lager
Bestandssicherheit im Lager bezeichnet die Übereinstimmung zwischen den im System erfassten und den physisch vorhandenen Lagerbeständen. Sie ist ein zentraler Qualitätsmaßstab für Lagerprozesse und Grundlage für verlässliche Lieferfähigkeit.
- Chaotische Lagerhaltung
Chaotische Lagerhaltung ist ein Lagerprinzip, bei dem Artikel nicht auf feste, vorher zugewiesene Stellplätze eingelagert werden, sondern dynamisch auf jeden freien, geeigneten Platz im Lager. Ein Warehouse-Management-System übernimmt dabei die Steuerung und Nachverfolgung aller Lagerplätze.
- Charge
Eine Charge ist eine eindeutig identifizierbare Menge von Produkten, die unter gleichen Bedingungen hergestellt oder verarbeitet wurde. Sie bildet die Grundlage für Rückverfolgbarkeit, Qualitätssteuerung und gesetzlich geforderte Rückrufprozesse entlang der gesamten Lieferkette.
- Chargenrückverfolgung
Chargenrückverfolgung bezeichnet die lückenlose Nachvollziehbarkeit von Produkten und Materialien entlang der Lieferkette auf Basis ihrer Chargenzugehörigkeit. Sie ermöglicht es, im Qualitäts- oder Rückruffall schnell alle betroffenen Mengen zu identifizieren und gezielt zu sperren.
- Disposition
Disposition bezeichnet die operative Planung und Steuerung von Ressourcen, Mengen und Aufträgen in der Logistik, etwa in der Transport- oder Materialdisposition. Sie umfasst Zuweisung von Kapazitäten, Terminierung, Priorisierung und Reaktion auf Störungen.

