Einfahrregal
Auch: Drive-in-Regal, Einfahrregalsystem, Mehrfachtiefes Regal, Drive-in Racking, Einfahrregale, Drive-in-Regale
KI-generiert
Ein Einfahrregal ist ein Regalsystem, bei dem Gabelstapler direkt in die Regalstruktur einfahren, um Paletten in mehrfach tiefe Lagerkanäle ein- oder auszulagern. Es bietet eine sehr hohe Lagerdichte, arbeitet jedoch überwiegend nach dem LIFO-Prinzip.
Das Wichtigste in Kürze
- Einfahrregale ermöglichen eine sehr hohe Flächennutzung, weil keine eigenen Fahrgänge zwischen den Regalblöcken benötigt werden.
- Das System arbeitet standardmäßig nach LIFO, was es für Artikel mit strengem Mindesthaltbarkeitsdatum ohne zusätzliche organisatorische Maßnahmen ungeeignet macht.
- Anfahrschäden durch den Staplerbetrieb im Regalinneren sind ein zentrales Sicherheits- und Wartungsthema, das regelmäßige Inspektionen erfordert.
- Einfahrregale sind besonders wirtschaftlich, wenn wenige SKUs in großen Mengen gelagert werden, bei heterogenem Sortiment sinkt die Kanalauslastung deutlich.
Was ist ein Einfahrregal?
Beim Einfahrregal, auch Drive-in-Regal genannt, fahren Gabelstapler physisch in den Regalblock ein, um Paletten auf horizontalen Tragschienen abzusetzen. Anders als bei konventionellen Palettenregalen existiert kein separater Fahrgang zwischen den Regalzeilen. Stattdessen bilden die Regale selbst den Fahrweg. Die Paletten werden Kanal für Kanal von hinten nach vorne gestapelt, sodass ein einziger Kanaleingang für mehrere Stellplätze hintereinander genutzt wird. Die Tiefe eines Kanals reicht je nach Ausführung von zwei bis zu etwa zehn Palettenplätzen.
Funktionsprinzip und LIFO-Logik
Das Einfahrregal arbeitet nach dem LIFO-Prinzip (Last In, First Out): Die zuletzt eingelagerte Palette wird zuerst ausgelagert. Das ergibt sich zwangsläufig aus der Bauform, weil der Stapler nur von einer Seite in den Kanal einfahren kann. Eine Variante, das Durchfahrregal (Drive-through-Regal), verfügt über Öffnungen auf beiden Seiten und erlaubt so annähernd FIFO-Betrieb. Diese Bauform ist jedoch baulich aufwendiger und erfordert mehr Platzbedarf im Grundriss.
In der Praxis eignet sich das Einfahrregal vor allem für Lager mit wenigen Artikelvarianten (SKUs), aber hohen Mengen je Variante. Typische Einsatzfelder sind Getränkelager, Kühlhäuser, Saisonlager oder die Pufferlagerung homogener Fertigwaren. Sind viele verschiedene Artikel auf engem Raum zu lagern, stößt das System an Grenzen, weil die Kanäle dann nur unvollständig genutzt werden können oder unterschiedliche SKUs sich nicht vermischen lassen.
Worauf es bei Auswahl und Betrieb ankommt
Bei der Planung eines Einfahrregals sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen:
- Sortimentshomogenität: Je weniger SKUs und je größer die Menge je SKU, desto besser lässt sich die Kanalbelegung optimieren.
- MHD-Anforderungen: Produkte mit strengem Mindesthaltbarkeitsdatum verlangen FIFO und sind für LIFO-Systeme ungeeignet, sofern keine organisatorischen Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden.
- Staplertechnik: Nicht jeder Stapler ist für das Einfahren in enge Regalblöcke ausgelegt. Schmale Konturen, ausreichende Hubhöhe und präzise Steuerung sind Voraussetzung. Anfahrschäden am Regalwerk zählen zu den häufigsten Schadensursachen.
- Anfahrschutz und Sicherheit: Regalfüße, Längsträger und Einfahrtsbereiche müssen durch geeignete Schutzprofile, Pfosten oder Leitbleche gesichert werden. Regelmäßige Sicherheitsprüfungen nach einschlägigen Normen sind Pflicht.
- Wartung und Inspektion: Verbogene oder beschädigte Tragschienen sind im laufenden Betrieb schwerer zu erkennen als bei offenen Palettenregalen. Klare Inspektionsintervalle und dokumentierte Schadensbewertungen sind betrieblich zu verankern.
Ob ein Einfahrregal gegenüber alternativen Hochdichtesystemen wie Blocklager, Durchlaufregal oder automatisierten Shuttle-Lösungen vorzuziehen ist, hängt von Investitionsrahmen, Durchsatzanforderungen und der Sortimentsstruktur ab. Ein Vergleich mehrerer Konzepte anhand konkreter Lagerdaten ist empfehlenswert.
Verwandte Begriffe
- ABC-Analyse
Die ABC-Analyse ist eine Methode zur Klassifizierung von Artikeln, Lieferanten oder Prozessen in drei Prioritätsklassen (A, B, C) nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Sie bildet die Grundlage für differenzierte Entscheidungen in Lagerhaltung, Disposition und Einkauf.
- AKL
Ein Automatisches Kleinteilelager (AKL) ist ein vollmechanisiertes Lagersystem für Behälter, Tablare oder Kartons, das mithilfe von Regalbediengeräten oder Shuttles den Ware-zum-Mann-Prozess automatisiert.
- Automatisches Kleinteilelager (AKL)
Das Automatische Kleinteilelager (AKL) ist ein vollautomatisiertes Lagersystem für Behälter, Tablare und Kleinteile, bei dem Ein- und Auslagerung ohne manuellen Eingriff durch Regalbediengeräte oder Shuttle-Systeme erfolgen.
- Blocklager
Ein Blocklager ist eine Lagerform, bei der Ladeeinheiten, in der Regel Paletten, ohne Regalkonstruktion direkt auf dem Boden in Reihen und Blöcken gestapelt werden.
- Bodenlagerung
Bodenlagerung bezeichnet die Lagerung von Waren direkt auf dem Boden, ohne den Einsatz von Regalanlagen. Paletten, Stapel oder markierte Stellflächen dienen dabei als Grundstruktur der Flächenorganisation.
- Chaotische Lagerhaltung
Chaotische Lagerhaltung ist ein Lagerprinzip, bei dem Artikel nicht auf feste, vorher zugewiesene Stellplätze eingelagert werden, sondern dynamisch auf jeden freien, geeigneten Platz im Lager. Ein Warehouse-Management-System übernimmt dabei die Steuerung und Nachverfolgung aller Lagerplätze.
- Charge
Eine Charge ist eine eindeutig identifizierbare Menge von Produkten, die unter gleichen Bedingungen hergestellt oder verarbeitet wurde. Sie bildet die Grundlage für Rückverfolgbarkeit, Qualitätssteuerung und gesetzlich geforderte Rückrufprozesse entlang der gesamten Lieferkette.
- Chargenrückverfolgung
Chargenrückverfolgung bezeichnet die lückenlose Nachvollziehbarkeit von Produkten und Materialien entlang der Lieferkette auf Basis ihrer Chargenzugehörigkeit. Sie ermöglicht es, im Qualitäts- oder Rückruffall schnell alle betroffenen Mengen zu identifizieren und gezielt zu sperren.

