Doppelspiel
Auch: Doppelspiel RBG, Kombinationsspiel, Doppelzyklus, Double Cycle, Doppelspiele
KI-generiert
Doppelspiel bezeichnet in der Intralogistik eine Betriebsstrategie, bei der ein Regalbediengerät oder Fördermittel in einer einzigen Fahrt sowohl eine Einlagerung als auch eine Auslagerung durchführt.
Das Wichtigste in Kürze
- Beim Doppelspiel führt ein Regalbediengerät Einlagerung und Auslagerung in einem einzigen Bewegungszyklus zusammen, was Leerfahrten reduziert.
- Die Effizienz des Doppelspiels hängt entscheidend von der Qualität der Auftragspaarkombination in der Steuerungssoftware ab.
- Ausgeglichenes Ein- und Auslagervolumen sowie geeignete Stellplatzstrategien maximieren die Doppelspielrate.
- Doppelspiel ist keine Gerätefunktion, sondern das Ergebnis einer intelligenten Materialfluss- und Lagerverwaltungssteuerung.
- Ausreichend dimensionierte Fördertechnik-Puffer an den Übergabepunkten sind Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Doppelspiel-Betrieb.
Was ist Doppelspiel?
Doppelspiel beschreibt eine Steuerungsstrategie in automatisierten Lagersystemen, bei der ein Regalbediengerät (RBG) innerhalb eines einzigen Arbeitszyklus zwei Aufgaben kombiniert: Es lagert zunächst eine Palette oder ein Behältnis an einen Zielstellplatz ein und entnimmt auf dem Rückweg, oder in unmittelbarer Nähe, eine bereits für den Abruf vorgemerkte Einheit zur Auslagerung. Dieser kombinierte Zyklus steht im Gegensatz zum Einfachspiel, bei dem das Gerät nach jedem Ein- oder Auslagervorgang in eine definierte Ausgangsposition zurückfährt, bevor es den nächsten Auftrag startet. Das Doppelspiel ist keine physische Eigenschaft des Geräts, sondern das Ergebnis einer intelligenten Auftragsplanung durch das Lagerverwaltungssystem oder die Materialflusssteuerung.
Wie funktioniert Doppelspiel in der Praxis?
Die Voraussetzung für ein effektives Doppelspiel ist eine leistungsfähige Steuerungssoftware, die Ein- und Auslageraufträge so kombiniert, dass das RBG möglichst kurze Gesamtwege zurücklegt. Das Lagerverwaltungssystem analysiert dazu kontinuierlich den Auftragsvorrat und wählt jeweils diejenigen Auftragspaare aus, deren Ziel- und Quellstellplätze räumlich günstig zueinander liegen. Die Optimierung berücksichtigt dabei sowohl die horizontale als auch die vertikale Fahrzeit, da RBGs in der Regel gleichzeitig in X- und Z-Richtung verfahren können.
Typische Systeme, die Doppelspiel nutzen, sind:
- Hochregallager mit schienengebundenen Regalbediengeräten
- Automatische Kleinteilelager (AKL) mit Miniload-Geräten
- Shuttle-Systeme mit mehreren Ebenen
- Palettenlager mit einfach- oder mehrfachtiefer Einlagerung
Wichtig ist, dass das einzulagernde Gut bereits am Übergabepunkt bereitsteht, bevor das RBG seine Fahrt antritt. Andernfalls entsteht Wartezeit, die den Vorteil des Doppelspiels wieder aufzehrt. Die Synchronisation zwischen Fördertechnik-Zulauf und Auftragsvergabe ist daher ein kritischer Faktor für die tatsächlich erreichbare Effizienz.
Worauf kommt es bei der Auswahl und Planung an?
Ob Doppelspiel einen messbaren Vorteil gegenüber Einfachspiel bringt, hängt stark vom Verhältnis der Ein- zu Auslagermengen sowie von der Lagerstruktur ab. Bei ausgeglichenem Ein- und Auslagervolumen lässt sich das Potenzial am besten ausschöpfen. Ist das Volumen stark asymmetrisch, sinkt die Kombinationsrate, und die Steuerung fällt häufiger auf Einfachspiele zurück.
Weitere Planungsaspekte sind:
- Stellplatzstrategie: ABC-zonierte Lager erleichtern die Auftragspaarkombination, weil häufig benötigte Artikel in einem engen Regalbereich konzentriert sind.
- Gerätetyp: Einmast-RBGs und Shuttle-Fahrzeuge unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit, mehrere Ladeeinheiten gleichzeitig zu transportieren, was die Doppelspielvarianten beeinflusst.
- Softwareleistung: Die Güte des Kombinationsalgorithmus entscheidet maßgeblich darüber, wie nah die reale Leistung an den theoretischen Maximalwert herankommt. Dieser Aspekt ist anbieterabhängig und sollte im Lastenheft konkret adressiert werden.
- Pufferkapazitäten: Ausreichend dimensionierte Ein- und Auslagerpuffer an den Übergabestationen sind Voraussetzung, damit die Steuerung genügend Aufträge vorausplanen kann.
In der Praxis wird Doppelspiel heute in fast allen neu projektierten automatisierten Lagern als Standard erwartet. Die tatsächlich erreichbare Leistungssteigerung gegenüber Einfachspiel ist jedoch systemspezifisch und sollte in der Simulation oder im Pflichtenheft mit realistischen Auftragsmixszenarien belegt werden.
Verwandte Begriffe
- ABC-Analyse
Die ABC-Analyse ist eine Methode zur Klassifizierung von Artikeln, Lieferanten oder Prozessen in drei Prioritätsklassen (A, B, C) nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Sie bildet die Grundlage für differenzierte Entscheidungen in Lagerhaltung, Disposition und Einkauf.
- AKL
Ein Automatisches Kleinteilelager (AKL) ist ein vollmechanisiertes Lagersystem für Behälter, Tablare oder Kartons, das mithilfe von Regalbediengeräten oder Shuttles den Ware-zum-Mann-Prozess automatisiert.
- Auslagerung
Auslagerung bezeichnet den physischen Vorgang, bei dem Waren oder Ladeeinheiten aus einem Lagerbereich entnommen und einem nachgelagerten Prozess, etwa der Kommissionierung oder dem Versand, zugeführt werden.
- AutoStore-Lagersystem
Das AutoStore-Lagersystem ist ein vollautomatisiertes Cube-Storage-System, bei dem Roboter auf einem dreidimensionalen Gitterraster (Grid) Kunststoffbehälter stapeln, abrufen und zu stationären Kommissionierstationen transportieren.
- Automatiklager
Ein Automatiklager ist ein voll- oder teilautomatisiertes Lagersystem, bei dem Ein- und Auslagerung, Transport und Verwaltung von Lagereinheiten ohne manuellen Eingriff durch Fördertechnik, Regalbediengeräte und eine übergeordnete Steuerungssoftware ablaufen.
- Automatisches Kleinteilelager (AKL)
Das Automatische Kleinteilelager (AKL) ist ein vollautomatisiertes Lagersystem für Behälter, Tablare und Kleinteile, bei dem Ein- und Auslagerung ohne manuellen Eingriff durch Regalbediengeräte oder Shuttle-Systeme erfolgen.
- Bestandsführung
Bestandsführung bezeichnet die systemgestützte Verwaltung und Fortschreibung aller Lager- und Materialbestände in einem Unternehmen. Sie bildet die Grundlage für Disposition, Beschaffung und Abrechnung und stellt sicher, dass Buchbestand und physischer Bestand jederzeit übereinstimmen.
- Chaotische Lagerhaltung
Chaotische Lagerhaltung ist ein Lagerprinzip, bei dem Artikel nicht auf feste, vorher zugewiesene Stellplätze eingelagert werden, sondern dynamisch auf jeden freien, geeigneten Platz im Lager. Ein Warehouse-Management-System übernimmt dabei die Steuerung und Nachverfolgung aller Lagerplätze.
- Dimensionierung
Dimensionierung bezeichnet die systematische Auslegung von Lagerkapazitäten, Fördertechnik und Logistiksystemen auf Basis von Mengengerüsten, Durchsatzanforderungen und Lastspitzen. Sie bildet die Planungsgrundlage für Investitionsentscheidungen in der Intralogistik.
- Disposition
Disposition bezeichnet die operative Planung und Steuerung von Ressourcen, Mengen und Aufträgen in der Logistik, etwa in der Transport- oder Materialdisposition. Sie umfasst Zuweisung von Kapazitäten, Terminierung, Priorisierung und Reaktion auf Störungen.

