BDE-System
Auch: BDE, Betriebsdatenerfassung, Betriebsdatenerfassungssystem, BDE-Software, BDE-Terminal
KI-generiert
Ein BDE-System (Betriebsdatenerfassungssystem) erfasst maschinelle und manuelle Prozessdaten in Echtzeit direkt an der Quelle, etwa an Maschinen, Förderanlagen oder Arbeitsplätzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein BDE-System erfasst Prozessdaten in Echtzeit direkt an Maschinen, Anlagen und Arbeitsplätzen und macht sie für Auswertungen nutzbar.
- Die Datenerfassung kann manuell über Terminals oder automatisch über Maschinensignale und Sensoren erfolgen, in modernen Anlagen meist als Kombination beider Wege.
- BDE-Daten fließen typischerweise in ERP-, WMS- oder MES-Systeme ein und bilden die Basis für Leistungskennzahlen wie Picks pro Stunde oder Anlagenverfügbarkeit.
- Die Entscheidung zwischen integriertem WMS-BDE und einem eigenständigen BDE-System hängt von der Komplexität der Prozesslandschaft und den Anforderungen an ein übergreifendes Reporting ab.
Was ist ein BDE-System?
BDE steht für Betriebsdatenerfassung. Ein BDE-System ist eine Softwarelösung, häufig kombiniert mit Hardware wie Terminals, Barcodescannern oder RFID-Lesern, die Ist-Daten aus laufenden Betriebsprozessen strukturiert aufnimmt. Typische Erfassungsobjekte sind Auftragsmengen, Maschinenlaufzeiten, Stillstandsgründe, Ausschussmengen, Mitarbeitereinsätze und Materialflüsse. Im Unterschied zu einer reinen Zeiterfassung bezieht sich BDE auf den gesamten produktiven Prozess: auf das, was wann von wem mit welchem Ergebnis ausgeführt wurde.
Wie funktioniert BDE in der Praxis?
Die Erfassung erfolgt entweder manuell über Terminals und mobile Geräte oder automatisch durch Maschinensignale, Sensoren und Steuerungen (SPS). In modernen Intralogistik-Umgebungen sind beide Wege kombiniert: Eine Förderanlage meldet Durchsatz und Störungen automatisch, während Kommissionierer den Start und Abschluss eines Auftrags per Scan bestätigen. Die erfassten Rohdaten werden in einer zentralen Datenbank zusammengeführt und dann entweder im BDE-System selbst ausgewertet oder per Schnittstelle an ERP-, WMS- oder MES-Systeme übertragen. Entscheidend ist dabei die Latenz: Echtzeit-BDE erlaubt sofortige Eingriffe bei Abweichungen, während Batch-Übertragungen nur für retrospektive Auswertungen geeignet sind.
In der Lagerlogistik liefert BDE zum Beispiel folgende Kennzahlen:
- Picks pro Stunde je Kommissionierzone oder Mitarbeiter
- Auslastung von Fördertechnik und automatischen Lagern
- Fehlbuchungsquoten und deren Ursachen
- Durchlaufzeiten einzelner Auftragsarten
- Verfügbarkeit und Stillstandsgründe von Anlagen
Worauf kommt es bei der Auswahl an?
Die Entscheidung für ein BDE-System hängt stark vom vorhandenen Systemumfeld ab. Wer bereits ein leistungsfähiges WMS betreibt, findet dort oft integrierte BDE-Funktionen, die ausreichen. Ein eigenständiges BDE-System lohnt sich vor allem, wenn heterogene Anlagen oder Prozesse aus Produktion und Lager in einem einheitlichen Reporting zusammengeführt werden sollen. Achte auf folgende Punkte:
- Schnittstellen: Unterstützt das System gängige Protokolle wie OPC-UA, REST-API oder standardisierte EDI-Formate für die Anbindung an bestehende Systeme?
- Granularität: Können Daten auf Ebene einzelner Aufträge, Artikel oder Mitarbeiter erfasst und ausgewertet werden?
- Echtzeit vs. Batch: Erfordert dein Prozess sofortige Rückmeldung oder reichen tagesaktuelle Auswertungen?
- Skalierbarkeit: Wächst das System mit steigendem Datenvolumen und weiteren Standorten?
- Bedienbarkeit: Terminals und Eingabemasken müssen unter realen Lagerbedingungen, Handschuhe, Zeitdruck, schlechte Lichtverhältnisse, zuverlässig funktionieren.
Ob eine cloudbasierte oder On-Premise-Lösung sinnvoller ist, hängt von IT-Strategie und Datenschutzanforderungen des Unternehmens ab und lässt sich nicht pauschal beantworten.
Verwandte Begriffe
- API
Eine API (Application Programming Interface) ist eine definierte Schnittstelle, über die zwei Softwaresysteme automatisiert und standardisiert Daten austauschen können. In der Intralogistik verbindet sie Systeme wie WMS, ERP oder TMS miteinander und mit externen Diensten.
- Auftragsabwicklung
Auftragsabwicklung bezeichnet den vollständigen Prozess von der Entgegennahme eines Kundenauftrags bis zu dessen abgeschlossener Lieferung und Abrechnung. Sie umfasst alle operativen und administrativen Schritte, die notwendig sind, um einen Auftrag termingerecht und fehlerfrei zu erfüllen.
- Auftragsdurchlaufzeit
Die Auftragsdurchlaufzeit bezeichnet die Gesamtzeit vom Eingang eines Auftrags bis zu seinem Versand an den Empfänger. Sie schließt alle Warte-, Bearbeitungs- und internen Transportschritte ein und gilt als zentraler Indikator für die Leistungsfähigkeit eines Lager- oder Fulfillment-Prozesses.
- Automatisierung
Automatisierung bezeichnet den Einsatz von Technologien und Systemen, um Prozesse ganz oder teilweise ohne menschliches Eingreifen auszuführen. In der Intralogistik reicht das Spektrum von einfachen Förderanlagen bis zu vollautomatischen Hochregallagern mit autonomen Fahrzeugen.
- Balanced Scorecard
Die Balanced Scorecard ist ein Kennzahlensystem zur ganzheitlichen Unternehmenssteuerung, das finanzielle und nicht-finanzielle Ziele in vier Perspektiven verknüpft.
- Barcode
Ein Barcode ist ein maschinenlesbarer, optischer Code, der Informationen als Muster aus Strichen und Lücken oder als zweidimensionale Matrix darstellt. Er ermöglicht die automatische Identifikation von Artikeln, Ladungsträgern und Dokumenten entlang der gesamten Lieferkette.
- Barcodescanner
Ein Barcodescanner ist ein optisches Lesegerät, das gedruckte Strichcodes (Barcodes) erfasst und in maschinenlesbare Daten umwandelt. Er wird in der Intralogistik zur lückenlosen Identifikation von Waren, Ladungsträgern und Lagerplätzen eingesetzt.
- Kommissionierung
Kommissionierung ist das Zusammenstellen einzelner Artikel aus dem Lagerbestand zu einem konkreten Kundenauftrag, der personalintensivste Schritt im Lager.

