RBG
Auch: Regalbediengerät, Regalbediengeräte, RBGs, Regalstapler automatisch, automatisches Regalbediengerät
KI-generiert
Ein Regalbediengerät (RBG) ist ein schienengeführtes Flurförderzeug, das in automatischen Hochregal- oder Kleinteilelagern selbstständig Ladungsträger ein- und auslagert.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein RBG lagert Ladungsträger in automatischen Regallagern vollständig ohne manuelle Eingriffe ein und aus.
- Doppelspiele, gleichzeitiges Ein- und Auslagern in einem Fahrzyklus, erhöhen den Durchsatz gegenüber Einzelspielen erheblich.
- Fällt ein RBG aus, ist die gesamte Lagergasse blockiert; Redundanzkonzepte sind daher ein kritischer Planungsbestandteil.
- Die Anbindung an das Lagerverwaltungssystem bestimmt maßgeblich, wie schnell Fahraufträge priorisiert und abgearbeitet werden.
- Energierückspeisung beim Bremsen und Absenken ist bei modernen RBG weitgehend Standard und reduziert den Strombedarf.
Was ist ein Regalbediengerät?
Ein Regalbediengerät (RBG) ist eine automatisch gesteuerte Maschine, die innerhalb eines Regallagers auf Bodenschienen fährt und über einen Hubmast mit Lastaufnahmemittel verfügt. Es bewegt sich entlang einer Regalzeile, fährt den Hubschlitten auf die gewünschte Höhe und lagert Ladungsträger (Paletten, Behälter, Tablare oder Kartons) vollautomatisch ein oder aus. Die Kommunikation mit dem übergeordneten Lagerverwaltungssystem (LVS oder WMS) erfolgt in Echtzeit, meist über WLAN oder Datenbus, sodass Fahraufträge dynamisch priorisiert und abgearbeitet werden können.
RBG sind das Herzstück automatischer Hochregallager (HRL) und automatischer Kleinteilelager (AKL). Je nach Bauform und Anwendung unterscheidet man zwischen Einmast- und Zweimastgeräten sowie zwischen Einzel- und Mehrfachspielen. Bei einem Doppelspiel lagert das RBG in einem Zyklus gleichzeitig ein und aus, was den Durchsatz gegenüber Einzelspielen deutlich erhöht.
Wie funktioniert ein RBG in der Praxis?
Das LVS übermittelt dem RBG einen Fahrauftrag mit Quell- und Zielfach. Das Gerät fährt horizontal zur Zielgasse und hebt gleichzeitig den Hubschlitten auf die Zielhöhe. Bei modernen Geräten laufen beide Achsen synchron, um die Fahrzeit zu minimieren. Das Lastaufnahmemittel, etwa eine Teleskopgabel, ein Riemenförderer oder ein Shuttle-Schlitten, übernimmt den Ladungsträger und fährt ihn in das Fach oder auf die Übergabestation.
Die Steuerung überwacht kontinuierlich Gewicht, Kontur und Position des Ladungsträgers. Weicht ein Wert ab, stoppt das RBG und meldet eine Störung ans Leitrechner-System. Wartungsintervalle, Achsverschleiß und Bremswege werden von modernen Geräten selbst protokolliert und ermöglichen vorausschauende Instandhaltung.
- Einmast-RBG sind leichter und schneller, eignen sich für AKL und leichtere Lasten bis ca. 500 kg.
- Zweimast-RBG tragen Schwerlasten bis zu mehreren Tonnen und werden vor allem in Palettenlagern eingesetzt.
- Shuttle-RBG kombinieren ein horizontales Trägerfahrzeug mit autonomen Shuttle-Einheiten, die tief in die Regaltiefe einfahren.
Worauf kommt es bei der Auswahl an?
Bei der Planung eines RBG-Systems spielen mehrere Parameter eine Rolle, die sich gegenseitig beeinflussen: Gassenlänge, Lagerhöhe, geforderter Durchsatz in Ein- und Auslagerspielen pro Stunde sowie die Art und das Gewicht der Ladungsträger. Ob ein RBG je Gasse oder mehrere Geräte sinnvoll sind, hängt vom erforderlichen Durchsatz ab. Redundanz ist ein häufig unterschätzter Planungsaspekt. Fällt ein RBG aus, steht die gesamte Gasse still. Eine zweite Gasse oder ein Bypass-Konzept kann die Verfügbarkeit des Gesamtsystems sichern.
Die Integration ins Warehouse-Management-System muss frühzeitig spezifiziert werden, da die Datenschnittstelle (häufig auf Basis standardisierter Protokolle oder herstellereigener APIs) die Durchsatzfähigkeit maßgeblich beeinflusst. Energierückspeisung beim Bremsen und beim Absenken des Hubschlittens ist heute bei den meisten Geräten verfügbar und reduziert den Energieverbrauch spürbar. Welche konkreten Einsparungen realisierbar sind, hängt vom individuellen Lastprofil ab und lässt sich nicht pauschal beziffern.
Verwandte Begriffe
- AKL
Ein Automatisches Kleinteilelager (AKL) ist ein vollmechanisiertes Lagersystem für Behälter, Tablare oder Kartons, das mithilfe von Regalbediengeräten oder Shuttles den Ware-zum-Mann-Prozess automatisiert.
- Auslagerung
Auslagerung bezeichnet den physischen Vorgang, bei dem Waren oder Ladeeinheiten aus einem Lagerbereich entnommen und einem nachgelagerten Prozess, etwa der Kommissionierung oder dem Versand, zugeführt werden.
- AutoStore
AutoStore ist ein kubisches Automatiklager, bei dem fahrerlose Roboter auf einem Aluminium-Grid Kunststoffbehälter stapeln und auf Abruf zu Kommissionierports bringen. Das System gilt als eines der flächeneffizientesten automatischen Kleinteilelager für standardisierte Behälterware.
- AutoStore-Lagersystem
Das AutoStore-Lagersystem ist ein vollautomatisiertes Cube-Storage-System, bei dem Roboter auf einem dreidimensionalen Gitterraster (Grid) Kunststoffbehälter stapeln, abrufen und zu stationären Kommissionierstationen transportieren.
- Automatiklager
Ein Automatiklager ist ein voll- oder teilautomatisiertes Lagersystem, bei dem Ein- und Auslagerung, Transport und Verwaltung von Lagereinheiten ohne manuellen Eingriff durch Fördertechnik, Regalbediengeräte und eine übergeordnete Steuerungssoftware ablaufen.
- Automatisches Kleinteilelager (AKL)
Das Automatische Kleinteilelager (AKL) ist ein vollautomatisiertes Lagersystem für Behälter, Tablare und Kleinteile, bei dem Ein- und Auslagerung ohne manuellen Eingriff durch Regalbediengeräte oder Shuttle-Systeme erfolgen.
- Business Case Automatisierung
Der Business Case Automatisierung bewertet wirtschaftlich und operativ, ob eine Investition in Lager- oder Intralogistikautomatisierung gerechtfertigt ist. Er fasst Kosten, Nutzen, Risiken und Annahmen strukturiert zusammen und bildet die Entscheidungsgrundlage für Management-Freigaben.
- CapEx
CapEx (Capital Expenditures) bezeichnet Investitionsausgaben für langfristige Vermögenswerte wie Anlagen, Maschinen oder IT-Infrastruktur. Diese Ausgaben werden aktiviert und über die Nutzungsdauer abgeschrieben, statt sofort als Aufwand verbucht zu werden.
- Chaotische Lagerhaltung
Chaotische Lagerhaltung ist ein Lagerprinzip, bei dem Artikel nicht auf feste, vorher zugewiesene Stellplätze eingelagert werden, sondern dynamisch auf jeden freien, geeigneten Platz im Lager. Ein Warehouse-Management-System übernimmt dabei die Steuerung und Nachverfolgung aller Lagerplätze.
- Dimensionierung
Dimensionierung bezeichnet die systematische Auslegung von Lagerkapazitäten, Fördertechnik und Logistiksystemen auf Basis von Mengengerüsten, Durchsatzanforderungen und Lastspitzen. Sie bildet die Planungsgrundlage für Investitionsentscheidungen in der Intralogistik.

