Sprachgestütztes Kommissionieren
Auch: Voice Picking, Pick-by-Voice, Sprachkommissionierung, Akustisches Kommissionieren, Voice-gestützte Kommissionierung, Sprachgesteuertes Kommissionieren
Sprachgestütztes Kommissionieren bezeichnet ein Verfahren, bei dem Lagermitarbeitende Pickanweisungen über ein Headset empfangen und Entnahmen per Sprachbefehl oder Checkziffer bestätigen. Es ermöglicht freihändiges, bildschirmfreies Arbeiten und ist in der Regel direkt in ein Warehouse-Management-S
Das Wichtigste in Kürze
- Beim sprachgestützten Kommissionieren erhalten Mitarbeitende Pickanweisungen über ein Headset und bestätigen Entnahmen per Sprache, ohne Hände oder Blick für ein Gerät zu binden.
- Das Verfahren wird als Pick-by-Voice oder Voice Picking bezeichnet und ist in der Regel direkt in das Warehouse-Management-System integriert.
- Moderne Systeme arbeiten zunehmend sprecherunabhängig, was den Einarbeitungsaufwand bei wechselnden Belegschaften reduziert.
- Voice Picking lässt sich mit anderen Assistenzverfahren wie Pick-by-Light oder Barcodescan zu multimodalen Lösungen kombinieren.
- Ergonomie, WMS-Integration und Mehrsprachigkeit sind zentrale Auswahlkriterien, die je nach Betrieb unterschiedlich gewichten.
Was ist sprachgestütztes Kommissionieren?
Beim sprachgestützten Kommissionieren – häufig auch als Voice Picking oder Pick-by-Voice bezeichnet – kommuniziert das Lagerverwaltungssystem über einen Sprachdialog mit der kommissionierenden Person. Ein am Körper getragener Sprachcomputer wandelt Systemanweisungen in gesprochene Befehle um und verarbeitet die gesprochene Rückmeldung der Mitarbeitenden in Echtzeit. Typischerweise nennt das System Zielort, Stellplatz und Entnahmemenge; die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter bestätigt die Entnahme durch Aussprechen einer am Regal angebrachten Checkziffer. Dadurch bleiben beide Hände frei, und der Blick muss nicht zwischen Papier, Scanner oder Bildschirm wechseln.
Wie funktioniert das Verfahren in der Praxis?
Grundlage ist ein auf die jeweilige Person trainiertes oder sprecherunabhängiges Spracherkennungsmodell. Moderne Systeme arbeiten zunehmend sprecherunabhängig, sodass der Trainingsaufwand bei Neueinstellungen oder saisonalen Kräften deutlich sinkt. Der Sprachcomputer – meist ein robustes Gerät für den Einsatz im Lager – ist per WLAN oder DECT mit dem WMS verbunden. Die Auftragssteuerung bleibt vollständig im WMS; das Sprachsystem übernimmt lediglich die Dialogschicht.
In der Praxis sind folgende Einsatzfelder besonders verbreitet:
- Manuelle Kommissionierung in konventionellen Regalanlagen mit hoher Pickfrequenz
- Lebensmittellogistik, wo Handschuhe und Kälteschutzkleidung Scan-Lösungen erschweren
- Ersatzteil- und Retail-Lager mit vielen kleinen Aufträgen
- Kombinierte Verfahren, bei denen Voice mit Barcodescan oder Pick-by-Light ergänzt wird
Die Kombination von Voice mit anderen Assistenzverfahren – sogenannte Multimodal-Lösungen – gewinnt an Bedeutung, weil sie Stärken verschiedener Technologien vereint, ohne einzelne Nachteile vollständig in Kauf nehmen zu müssen.
Worauf kommt es bei der Auswahl an?
Bei der Technologieentscheidung sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen, die je nach Betrieb unterschiedlich gewichten:
- WMS-Integration: Nahtlose Anbindung an das bestehende Lagerverwaltungssystem ist entscheidend; proprietäre Schnittstellen können den Wechsel des Anbieters später erschweren.
- Sprachpakete und Mehrsprachigkeit: In internationalen Belegschaften muss das System mehrere Sprachen beherrschen, was lizenz- und konfigurationsseitig zu berücksichtigen ist.
- Hardware-Robustheit: Geräte müssen für den Einsatz in Kühlhäusern, staubigen Umgebungen oder bei körperlicher Beanspruchung geeignet sein.
- Ergonomie: Headset-Komfort, Lautstärkepegel und Tragedauer beeinflussen Akzeptanz und Gesundheit der Mitarbeitenden erheblich.
- Fehlerbehandlung: Wie das System mit unverstandenen Sprachbefehlen oder Hintergrundlärm umgeht, unterscheidet sich anbieterabhängig deutlich.
Abzugrenzen ist Voice Picking von Pick-by-Light, bei dem optische Signale am Regal führen, sowie von rein scannergestützten Verfahren. Die Verfahren schließen sich nicht gegenseitig aus und werden in modernen Lagern häufig kombiniert.
Verwandte Begriffe
- AR
Augmented Reality (AR) bezeichnet eine Technologie, bei der digitale Informationen in Echtzeit in das reale Sichtfeld eingeblendet werden. In der Intralogistik kommt AR vor allem in der Kommissionierung, Wartung und Schulung zum Einsatz.
- Akustische Kommissionierung
Akustische Kommissionierung bezeichnet ein belegloses Kommissionierverfahren, bei dem Lagermitarbeiter Pickanweisungen per Sprache empfangen und Bestätigungen ebenfalls sprachgesteuert zurückmelden. Beide Hände bleiben dabei frei für den eigentlichen Pick-Vorgang.
- Augmented Reality
Augmented Reality (AR) überlagert die reale Umgebung in Echtzeit mit digitalen Informationen wie Text, Grafiken oder 3D-Modellen. In der Intralogistik unterstützt AR vor allem die Kommissionierung, Wartung und Einarbeitung neuer Mitarbeitender.
- Barcode
Ein Barcode ist ein maschinenlesbarer, optischer Code, der Informationen als Muster aus Strichen und Lücken oder als zweidimensionale Matrix darstellt. Er ermöglicht die automatische Identifikation von Artikeln, Ladungsträgern und Dokumenten entlang der gesamten Lieferkette.
- Barcodescanner
Ein Barcodescanner ist ein optisches Lesegerät, das gedruckte Strichcodes (Barcodes) erfasst und in maschinenlesbare Daten umwandelt. Er wird in der Intralogistik zur lückenlosen Identifikation von Waren, Ladungsträgern und Lagerplätzen eingesetzt.
- Batch-Kommissionierung
Batch-Kommissionierung bezeichnet eine Methode, bei der mehrere Kundenaufträge zu einem gemeinsamen Picklauf zusammengefasst werden. Dadurch legt der Kommissionierer eine Route ab und deckt dabei Positionen aus verschiedenen Aufträgen gleichzeitig ab.
- Beleglose Kommissionierung
Beleglose Kommissionierung bezeichnet das Zusammenstellen von Aufträgen im Lager ohne Papier-Picklisten, bei der alle Anweisungen digital über Terminals, Displays, Sprache oder optische Signale übermittelt werden. Sie ersetzt klassische Papierprozesse durch systemgestützte Führung der Kommissioniere
- Datenfunkterminal
Ein Datenfunkterminal ist ein mobiles Gerät zur drahtlosen Datenerfassung und -übertragung im Lager, das Display, Eingabe und Scanner vereint. Es kommuniziert typischerweise über WLAN mit einem Warehouse-Management-System und begleitet Prozesse wie Wareneingang, Kommissionierung und Inventur.

