Kommissionier-Computer
Auch: Kommissioniercomputer, Pick-Computer, MDE-Gerät, MDE, Mobiles Datenerfassungsgerät, Kommissionier-Terminal, Pick-Terminal, Kommissionierterminal, Barcode-Terminal Lager
Ein Kommissionier-Computer ist ein mobiles Endgerät, das Lagermitarbeitende Schritt für Schritt durch Pickprozesse führt, Aufgaben anzeigt und Bestätigungen per Scan, Tasteneingabe oder Touch erfasst. Er ist eingebettet in ein Gesamtsystem aus Warehouse-Management-System, WLAN-Infrastruktur und Peri
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Kommissionier-Computer führt Lagermitarbeitende auftragsgesteuert durch Pickprozesse und meldet Ergebnisse in Echtzeit an das WMS zurück.
- Die gängigen Bauformen sind Handheld-MDE, Wearable, Staplerterminal und Voice-Terminal – jede eignet sich für unterschiedliche Lagerumgebungen.
- Robustheit, Scannerleistung, Akkulaufzeit und MDM-Fähigkeit sind die zentralen Auswahlkriterien neben dem Anschaffungspreis.
- Ohne passendes WLAN und eine stabile WMS-Schnittstelle kann auch das beste Gerät seinen Nutzen nicht voll entfalten.
Was ist ein Kommissionier-Computer?
Ein Kommissionier-Computer ist ein mobiles oder stationär am Flurförderzeug montiertes Endgerät, das speziell für den Einsatz in Pickprozessen ausgelegt ist. Er empfängt Kommissionieraufträge vom Warehouse-Management-System (WMS), stellt dem Mitarbeitenden die nächste Aufgabe übersichtlich dar und nimmt Rückmeldungen entgegen – typischerweise durch Barcode-Scan, manuelle Tasteneingabe oder Touchbedienung. Ziel ist es, Fehler zu reduzieren, die Pickgeschwindigkeit zu erhöhen und eine lückenlose Rückmeldung an das WMS sicherzustellen.
Bauformen und Einsatzbereiche
In der Praxis unterscheidet man vier verbreitete Formfaktoren:
- Handheld-MDE-Gerät: Das klassische Mobile-Datenerfassungsgerät wird einhändig geführt und kombiniert einen integrierten Barcodescanner mit einem Display. Es ist vielseitig einsetzbar, aber bei hohem Picktempo oder beengten Verhältnissen ergonomisch anspruchsvoll.
- Wearable: Ring-Scanner, Handschuh-Scanner oder am Unterarm getragene Displays entlasten die Hände und beschleunigen den Pickrhythmus, weil kein Gerät abgelegt und wieder aufgenommen werden muss.
- Staplerterminal: Fest am Gegengewichtsstapler oder Hochregalfahrzeug montierte Terminals sind robust gegenüber Vibration, Temperatur und Staub. Sie eignen sich vor allem für Tiefkühlbereiche oder Hochregallager.
- Voice-Terminal: Sprachgeführte Systeme nutzen einen kleinen Rechner mit Headset. Der Bediener spricht Bestätigungen und Checksummen-Ziffern, beide Hände bleiben frei. Dieses Konzept gilt als eigenständige Kommissioniermethode, setzt aber ebenfalls einen Kommissionier-Computer als Hardware-Basis ein.
Manche Anbieter kombinieren Formfaktoren: Ein Wearable-Scanner sendet Daten an ein am Körper getragenes Terminal, das wiederum per Sprache oder Display führt.
Worauf es bei der Auswahl ankommt
Die Entscheidung für ein bestimmtes Gerät hängt von mehreren Faktoren ab, die je nach Betrieb unterschiedlich gewichtet werden:
- Robustheit: Schutzklasse (IP-Rating), Fallschutz und Temperaturbereich müssen zum Lagerumfeld passen. Ein Gerät für den Außenbereich oder Tiefkühl unterscheidet sich erheblich von einem für trockene Innenräume.
- Scannerleistung: Reichweite, unterstützte Barcode-Symbologien (1D, 2D, DataMatrix, QR) und Leserate unter schwierigen Bedingungen beeinflussen direkt die Pickleistung.
- Akkulaufzeit und Wechselkonzept: Bei Mehrschichtbetrieb muss geklärt sein, ob Hot-Swap-Akkus oder Ladestationen ausreichen.
- Ergonomie: Gewicht, Griffform und Displaylesbarkeit unter wechselnden Lichtverhältnissen wirken sich auf die Fehlerrate und die Belastung der Mitarbeitenden aus.
- Integration und MDM: Das Gerät muss mit dem eingesetzten WMS kommunizieren und sich über ein Mobile-Device-Management-System zentral verwalten, aktualisieren und im Fehlerfall sperren lassen.
- TCO: Neben dem Anschaffungspreis zählen Ersatzteilversorgung, Reparaturzeiten, Garantiebedingungen und die Lebensdauer der Plattform.
Ob Handheld, Wearable oder Staplerterminal die bessere Wahl ist, lässt sich pauschal nicht beantworten – das hängt vom Artikelspektrum, der Lagerstruktur und dem Picktempo ab und sollte im Rahmen einer Pilotphase validiert werden.
Verwandte Begriffe
- AR
Augmented Reality (AR) bezeichnet eine Technologie, bei der digitale Informationen in Echtzeit in das reale Sichtfeld eingeblendet werden. In der Intralogistik kommt AR vor allem in der Kommissionierung, Wartung und Schulung zum Einsatz.
- Akustische Kommissionierung
Akustische Kommissionierung bezeichnet ein belegloses Kommissionierverfahren, bei dem Lagermitarbeiter Pickanweisungen per Sprache empfangen und Bestätigungen ebenfalls sprachgesteuert zurückmelden. Beide Hände bleiben dabei frei für den eigentlichen Pick-Vorgang.
- Augmented Reality
Augmented Reality (AR) überlagert die reale Umgebung in Echtzeit mit digitalen Informationen wie Text, Grafiken oder 3D-Modellen. In der Intralogistik unterstützt AR vor allem die Kommissionierung, Wartung und Einarbeitung neuer Mitarbeitender.
- BDE-Terminals
BDE-Terminals sind stationäre oder mobile Endgeräte zur Betriebsdatenerfassung, die Mitarbeitende an Arbeitsplätzen, Maschinen oder Lagerbereichen nutzen, um Prozess-, Zeit- und Mengendaten direkt am Entstehungsort digital zu erfassen.
- Barcode
Ein Barcode ist ein maschinenlesbarer, optischer Code, der Informationen als Muster aus Strichen und Lücken oder als zweidimensionale Matrix darstellt. Er ermöglicht die automatische Identifikation von Artikeln, Ladungsträgern und Dokumenten entlang der gesamten Lieferkette.
- Barcodescanner
Ein Barcodescanner ist ein optisches Lesegerät, das gedruckte Strichcodes (Barcodes) erfasst und in maschinenlesbare Daten umwandelt. Er wird in der Intralogistik zur lückenlosen Identifikation von Waren, Ladungsträgern und Lagerplätzen eingesetzt.
- Batch-Kommissionierung
Batch-Kommissionierung bezeichnet eine Methode, bei der mehrere Kundenaufträge zu einem gemeinsamen Picklauf zusammengefasst werden. Dadurch legt der Kommissionierer eine Route ab und deckt dabei Positionen aus verschiedenen Aufträgen gleichzeitig ab.
- Beleglose Kommissionierung
Beleglose Kommissionierung bezeichnet das Zusammenstellen von Aufträgen im Lager ohne Papier-Picklisten, bei der alle Anweisungen digital über Terminals, Displays, Sprache oder optische Signale übermittelt werden. Sie ersetzt klassische Papierprozesse durch systemgestützte Führung der Kommissioniere
- Datenfunkgeräte
Datenfunkgeräte sind mobile oder stationäre Hardwarekomponenten, die Daten kabellos über Funkprotokolle wie WLAN oder Mobilfunk übertragen. Sie bilden im Lager und Transport die operative Schnittstelle zwischen Mitarbeitenden und IT-Systemen wie WMS oder ERP.
- Datenfunkterminal
Ein Datenfunkterminal ist ein mobiles Gerät zur drahtlosen Datenerfassung und -übertragung im Lager, das Display, Eingabe und Scanner vereint. Es kommuniziert typischerweise über WLAN mit einem Warehouse-Management-System und begleitet Prozesse wie Wareneingang, Kommissionierung und Inventur.

